{"id":1253,"date":"2011-05-28T09:28:38","date_gmt":"2011-05-28T07:28:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meta-physik.com\/blog\/?p=1253"},"modified":"2020-08-06T10:10:34","modified_gmt":"2020-08-06T08:10:34","slug":"roter-junimond-uber-europa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.meta-physik.com\/blog\/roter-junimond-uber-europa\/","title":{"rendered":"Roter Junimond \u00fcber Europa"},"content":{"rendered":"<h2>Die dunkelste Vollmondnacht des Jahres<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/der-orion.com\/images\/stories\/2011\/05\/12.20.10%20the%20total%20lunar%20eclipse%20of%20july%20162000.%20photo%20by%20fred%20espenak%20nasas%20goddard%20space%20flight%20center.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Total Lunar Eclipse, 16. Juli 2000. Credit: Fed Espenak, NASA Goddard Space Flight Center\" src=\"http:\/\/der-orion.com\/images\/stories\/2011\/05\/12.20.10%20the%20total%20lunar%20eclipse%20of%20july%20162000.%20photo%20by%20fred%20espenak%20nasas%20goddard%20space%20flight%20center.jpg\" alt=\"Total Lunar Eclipse, 16. Juli 2000. Credit: Fed Espenak, NASA Goddard Space Flight Center\" width=\"280\" height=\"180\" align=\"right\" hspace=\"6\" \/><\/a><br \/>\n<em>Bild: Totale Mondfinsternis, 16. Juli 2000. Credit: Fed Espenak, NASA Goddard Space Flight Center<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Verlauf<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.meta-physik.com\/blog\/2011\/roter-junimond-uber-europa\/#1\">Uhrzeiten und Veranstaltungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.meta-physik.com\/blog\/2011\/roter-junimond-uber-europa\/#2\">Allgemeine Information<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Zur besten D\u00e4mmerstunde und als dramaturgisch passender H\u00f6hepunkt eines fr\u00fchsommerlichen Grillabends ereignet sich am 15. Juni 2011 eine spektakul\u00e4re Mondfinsternis. Da der Mond den Schatten unseres Heimatplaneten fast genau in der Mitte durchl\u00e4uft, kommt es zu einer au\u00dfergew\u00f6hnlich langen und vollst\u00e4ndigen Verfinsterung. Die Astronomen sprechen hier von Totalit\u00e4t, und diese dauert am 15. Juni 101 Minuten! Das sind nur noch sieben Minuten weniger als die theoretisch m\u00f6gliche H\u00f6chstdauer. Dabei verschwindet der Mond jedoch nicht g\u00e4nzlich, sondern f\u00e4rbt sich dunkelrot.<!--more--><\/p>\n<h2>Der Verlauf der Finsternis<\/h2>\n<p>Wenn der Mond an diesem Abend im S\u00fcdosten aufgeht, hat die Bedeckung schon begonnen, allerdings befindet sich der Mond dann erst zu einem kleinen Teil im Kernschatten der Erde. Er ist zu diesem Zeitpunkt also teilweise verfinstert. Astronomen nennen dies die partielle Phase.<\/p>\n<p>Die Dauer der beobachtbaren Finsternis ist nicht f\u00fcr alle Orte in \u00d6sterreich gleich. Die Mondaufgangszeiten sind n\u00e4mlich unterschiedlich, abh\u00e4ngig von der geografischen Breite des Beobachtungsortes. Je weiter \u00f6stlich sich ein Ort befindet, desto fr\u00fcher geht der Mond dort auf. Und je fr\u00fcher er aufgeht, desto mehr kann man von der Finsternis bereits in der partiellen Phase sehen. Die Bewohner Wiens sind in einer vergleichsweise vorteilhaften Position. Der Mond geht hier um 20.47 Uhr mitteleurop\u00e4ischer Sommerzeit auf. Zu diesem Zeitpunkt ist er schon zu 40 Prozent verfinstert. Mit zunehmender Dunkelheit wird es dann richtig spannend: Der Mond steigt immer weiter \u00fcber den Horizont und nimmt immer mehr die f\u00fcr eine Mondfinsternis charakteristische br\u00e4unlich-rote F\u00e4rbung an.<\/p>\n<p>Die Mondaufgangszeiten f\u00fcr weiter westlich und n\u00f6rdlich gelegene St\u00e4dte sind entsprechend sp\u00e4ter. In Z\u00fcrich beispielsweise geht der Erdtrabant um 21.15 Uhr auf.<\/p>\n<p>Die Finsternismitte erreichen wir um 22.12 Uhr mitteleurop\u00e4ischer Zeit. Das kosmische Schauspiel d\u00fcrfte dann wundersch\u00f6n am S\u00fcdosthorizont zu betrachten sein.<\/p>\n<p>Vorausgesetzt, dass keine Wolken den Himmel tr\u00fcben, ist die zweite H\u00e4lfte der Mondfinsternis dann perfekt zu sehen. Dann ist es auch richtig dunkel. Gegen Ende der totalen Phase, um 23.03 Uhr, hellt der linke Mondrand wieder auf. Dann wechselt der Vollmond wieder langsam in den direkten Sonnenschein. Um 00.03 Uhr hat er die Kernzone wieder vollst\u00e4ndig verlassen. W\u00e4hrend der kommenden 20 Minuten kann man noch eine Art braunen Schleier ausmachen. Dann befindet sich der Mond noch im Bereich des Halbschattens der Erde. Um 00.23 Uhr ist es dann endg\u00fcltig vorbei. Dann wird es auch Zeit, den Grill zu sichern, Gl\u00e4ser und Geschirr in die K\u00fcche zu r\u00e4umen und langsam zu Bett zu gehen.<\/p>\n<h2><strong>Mondaufgang in Wien: 20.47<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Die Zeiten \u00a0der Mondfinsternis f\u00fcr Mitteleuropa:<\/strong><\/p>\n<p>Eintritt in den Halbschatten: 19:24 h<br \/>\nBeginn der partiellen Finsternis: 20:22 h<br \/>\nBeginn der Totalit\u00e4t: 21:22 h<br \/>\nH\u00f6hepunkt der Finsternis: 22:12 h<br \/>\nEnde der Totalit\u00e4t: 23:02 h<br \/>\nAustritt aus dem Kernschatten: 16. Juni, 0:02 h<br \/>\nAustritt aus dem Halbschatten: 16. Juni, 1:00 h<br \/>\n(Zeitangaben in mitteleurop\u00e4ischer Sommerzeit)<\/p>\n<p><strong>Die n\u00e4chsten totalen Mondfinsternisse \u00fcber Wien: <\/strong><br \/>\n10. Dezember 2011: totale Mondfinsternis, Aufgang mit Ende der Totalit\u00e4t, wir sehen nur das Ende der Finsternis<br \/>\n28. September 2015: totale Mondfinsternis, Untergang in Halbschattenphase, Totalit\u00e4t und partielle Phasen in vollem Verlauf zu sehen.<\/p>\n<p><a name=\"1\"><\/a><\/p>\n<h2>Veranstaltungen zur Mondfinsternis in \u00d6sterreich:<\/h2>\n<p><strong>Burgenland:<\/strong><br \/>\nBurgenl\u00e4ndische Landessternwarte<br \/>\n<a href=\"http:\/\/burgenland.astronomie.at\/lsw\/lsw.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/burgenland.astronomie.at\/lsw\/lsw.htm<\/a><\/p>\n<p><strong>K\u00e4rnten:<\/strong><br \/>\nAstronomische Vereinigung K\u00e4rnten: Beobachtung der Mondfinsternis<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.avk.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.avk.at<\/a><\/p>\n<p><strong>Nieder\u00f6sterreich:<\/strong><br \/>\nSternwarte H\u00f6henberg: 21.30 Uhr: Sonderf\u00fchrung anl\u00e4sslich der totalen Mondfinsternis<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.sternwarte-hoehenberg.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.sternwarte-hoehenberg.at<\/a><\/p>\n<p>Verein Antares, 19.00 Uhr: F\u00fchrung zur Totalen Mondfinsternis<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.noe-sternwarte.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.noe-sternwarte.at<\/a><\/p>\n<p><strong>Ober\u00f6sterreich:<\/strong><br \/>\nEisner Sternwarte Gmunden: 21.00 Uhr Beobachtung der Mondfinsternis<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.eisner-sternwarte.at\/sternwarte.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.eisner-sternwarte.at\/sternwarte.pdf<\/a><\/p>\n<p><strong>Salzburg:<\/strong><br \/>\nSternwarte K\u00f6nigsleiten: 20.30 Uhr Beobachtung der Mondfinsternis<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.sternwarte-koenigsleiten.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.sternwarte-koenigsleiten.com<\/a><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wien:<\/strong><br \/>\nMondfinsternis-Special von Astronomie Wien (Planetarium Wien, Urania und Kuffner Sternwarte): Planetarium 18.30 Uhr, Urania Sternwarte 19.45 Uhr<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.astronomie-wien.at\/astronomie_aktuelles.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.astronomie-wien.at\/astronomie_aktuelles.html<\/a><\/p>\n<p>Sterngarten Georgenberg: 22.00 Uhr: Beobachtung der Mondfinsternis<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.astronomisches-buero-wien.or.at\/veranst.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.astronomisches-buero-wien.or.at\/veranst.htm<\/a><\/p>\n<p>Wiener Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Astronomie: 21.00 Uhr Sofienalpe, Beobachtung der Mondfinsternis<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.waa.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.waa.at<\/a><\/p>\n<p><a name=\"2\"><\/a><\/p>\n<h2>Allgemeines \u00fcber Mondfinsternisse<\/h2>\n<p>Bei einer totalen Mondfinsternis m\u00fcssen die Sonne, die Erde und der Mond genau in einer Linie und exakt auf der gleichen Ebene liegen. Nur dann ist gew\u00e4hrleistet, dass der Schatten, den die Erde wirft, den Mond auch trifft. Aus diesem Grund kann eine Mondfinsternis immer nur bei Vollmond stattfinden, denn nur dann ist eine solche Konstellation gegeben. Zus\u00e4tzlich muss der Mond an einem der beiden Punkte stehen, an denen die Erdbahnebene die Bahnebene des Mondes schneidet. Diese Punkte werden als Mondknoten bezeichnet.<\/p>\n<p>Es gibt zwei Arten von Mondfinsternissen: Die so genannten &#8222;partielle&#8220; (teilweise) Mondfinsternis, bei welcher der Mond den Kernschatten der Erde nicht oder nur teilweise erreicht, und die so genannte &#8222;totale&#8220; Mondfinsternis, bei der unser Erdtrabant vollst\u00e4ndig in den Kernschatten der Erde eintaucht. Die totale Mondfinsternis, so wie sie am 11. Juni stattfindet, ist die erheblich spektakul\u00e4rere Variante. Dabei verschwindet der Mond nicht v\u00f6llig, sondern f\u00e4rbt sich dunkelrot.<\/p>\n<h2>Was passiert bei einer Mondfinsternis?<\/h2>\n<p>Die von der Sonne beleuchtete Erde wirft auf der sonnenabgewandten Seite einen kegelf\u00f6rmigen Schatten, der 1,4 Millionen Kilometer in den Weltraum hinausragt und in einer Spitze zusammenl\u00e4uft. Der Mond umkreist die Erde auf einer elliptischen Bahn, die innerhalb der Reichweite dieses Schattenkegels liegt. Diese Bahn hat einen erdn\u00e4chsten Punkt von 363.200 Kilometern und einen erdfernsten Punkt von 405.500 Kilometern. Der mittlere Abstand des Mondes von der Erde liegt bei 384.000 Kilometern.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich ist seine Umlaufbahn leicht gegen die Umlaufbahn der Erde um die Sonne geneigt. Dies bewirkt, dass er bis zu 37.000 Kilometer oberhalb oder unterhalb der Verbindungslinie Sonne-Erde vorbeiziehen kann. Und das wiederum hat zur Folge, dass er sich bei Vollmond meist \u00fcber oder unter dem in den Weltraum hinausragenden Erdschatten bewegt. Der Schattenkegel wird also in den meisten F\u00e4llen verfehlt, der Vollmond wird nicht vom Kernschatten der Erde getroffen, und dann findet auch keine Mondfinsternis statt.<\/p>\n<p>Etwa ein- bis zweimal pro Jahr befindet sich der Mond jedoch in der richtigen Position und kreuzt den Erdschatten. Dann kommt es zu einer Mondfinsternis. Je nachdem, wie genau er diesen Schatten trifft findet entweder eine partielle oder eine totale Mondfinsternis statt.<\/p>\n<p>Der Mond verschwindet dabei keineswegs in v\u00f6lliger Finsternis, wie man es wegen der Bezeichnung &#8222;Totale Mondfinsternis&#8220; erwarten w\u00fcrde. Vielmehr nimmt er eine fahle, dunkle Rotf\u00e4rbung an. Sie entsteht durch die Brechung und Streuung des Sonnenlichts, vornehmlich seiner langwelligen Anteile wie Orange und Rot. Dieses Streulicht wird durch die tieferen Schichten der Erdatmosph\u00e4re in flachem Winkel in den an sich dunklen Kernschattenkegel gestreut und erreicht den Mond w\u00e4hrend der Finsternis.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Beobachter auf dem Mond w\u00e4re unsere totale Mondfinsternis \u00fcbrigens eine totale Sonnenfinsternis. F\u00fcr ihn w\u00fcrde sich die Erde als dunkle Scheibe vollst\u00e4ndig vor die Sonne schieben. Nur ein r\u00f6tlicher Lichtsaum w\u00fcrde den Erdball noch umranden.<\/p>\n<p>Die Mondfinsternis am 11. Juni f\u00e4llt im Prinzip dunkler aus als eine &#8222;normale&#8220; totale Bedeckung. Das liegt daran, dass sich der Mond bei diesem Durchgang fast genau den Mittelpunkt des Kernschattenkegels trifft. Er kann damit tiefer in den Kernschattenzone eindringen als sonst, weil er sich auf seiner Bahn sehr nahe am Knotenpunkt befindet, durch den die Schnittlinie zwischen Mond- und Erdbahn verl\u00e4uft. Dieser Effekt wird allerdings dadurch kompensiert, dass die Mondfinsternis an einem der l\u00e4ngsten Tage des Jahres stattfindet. Dadurch ist die Sichtbarkeit des Ereignisses gerade in n\u00f6rdlichen Breiten erheblich beeintr\u00e4chtigt. Oberhalb des Polarkreises, wo zu dieser Zeit die Sonne den ganzen Tag \u00fcber am Himmel steht, ist der Mond und somit auch die Finsternis unbeobachtbar. Im S\u00fcdosten Mitteleuropas, wie zum Beispiel in Wien, sind die Bedingungen dagegen deutlich besser. Hier geht der Mond 30 Minuten fr\u00fcher auf als etwa in Z\u00fcrich und steht auch h\u00f6her am Himmel.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Eugen Reichl, Monika Fischer und Maria Pflug-Hofmayr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die dunkelste Vollmondnacht des Jahres Bild: Totale Mondfinsternis, 16. Juli 2000. 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