{"id":274,"date":"2009-09-09T16:38:03","date_gmt":"2009-09-09T14:38:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meta-physik.com\/blog\/?p=274"},"modified":"2019-02-14T11:55:50","modified_gmt":"2019-02-14T10:55:50","slug":"buchrezension-die-astronomie-und-der-liebe-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.meta-physik.com\/blog\/buchrezension-die-astronomie-und-der-liebe-gott\/","title":{"rendered":"Buchrezension: Die Astronomie und der liebe Gott"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-275\" style=\"margin-left: 0px; margin-right: 9px;\" title=\"b_weinberger_gott\" src=\"http:\/\/www.meta-physik.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/b_weinberger_gott.jpg\" alt=\"b_weinberger_gott\" width=\"134\" height=\"205\" \/ align=\"left\" >Wenn Sie ein Buch mit umfassender Einf\u00fchrung \u00fcber Astronomie suchen, kaufen Sie lieber ein anderes. Obwohl Sie nicht wenig \u00fcber den Aufbau des Universums erfahren werden, wenn auch in v\u00f6llig anderer Form als in anderen B\u00fcchern zum Thema. Nicht einmal bei seinem Wissensgebiet kann der Autor ernst bleiben &#8211; und doch ist ihm alles, was er in diesem Buch schreibt und vermittelt, offenbar mehr als ernst.<br \/>\n<\/strong><!--more--><br \/>\nAlso: Wenn Sie was zu lachen haben wollen und sich bei intelligenter Lekt\u00fcre gut am\u00fcsieren m\u00f6chten, ist dieses Buch genau richtig. Allerdings geht es keineswegs, wie der Titel vermuten l\u00e4sst, um eine Religionsdebatte &#8211; um diese allerdings auch. Und in dieser stellt der Autor nicht die Frage, ob es Gott gibt oder nicht, sondern stellt unmissverst\u00e4ndlich klar, dass er nicht an einen solchen glaubt. Bei dieser Gelegenheit wird auch nicht wenig Spott in Richtung der Astrologen vergossen.<\/p>\n<p>Aber die Botschaft geht wesentlich weiter. Wie haben Naturwissenschaften unser Weltbild und unsere Gesellschaft gepr\u00e4gt? Was ist \u00fcberhaupt ein Weltbild? (Im Gegensatz zu einer Weltanschauung?)<\/p>\n<p>Die Reise beginnt in Bad Schallerbach. Dort hat der Autor seine Kindheit und Jugend verbracht und erste Erfahrungen mit Politik gemacht, n\u00e4mlich bei seinen Eltern, die (der Vater: Eisenbahner) stets \u00fcber &#8222;die Schwarzen&#8220; gel\u00e4stert haben. Warum ich das erw\u00e4hne? Ich wuchs nicht weit davon auf, fast in H\u00f6rweite von Bad Schallerbach (in ruhigen N\u00e4chten h\u00f6rte man bei uns die &#8222;Lilo&#8220;, die Linzer Lokalbahn), und bei meinen Eltern (Bauern) wurde in vermutlich \u00e4hnlichem Tonfall \u00fcber &#8222;die Roten&#8220; geschimpft. Vielleicht fand ich diese Ausf\u00fchrungen deshalb sehr erheiternd.<\/p>\n<p>Sodann widmet sich der Autor dem Aufbau des Universums, wobei er sich von einer v\u00f6llig anderen Seite n\u00e4hert als die meisten anderen seiner Zunft: von der anschaulichen, mit R\u00fccksicht auf den Hausverstand. Dieser wird allerdings gleich nach einigen Ecken wieder stehen gelassen, weil Weinberger n\u00e4mlich eindringlich demonstriert: der Hausverstand bringt uns im Universum, speziell bei der Vorstellung exotischer Objekte, nicht weiter.<\/p>\n<p>Die weiteren zwei Drittel des Buches befassen sich mit Philosophischem, Metaphysischem und schlichten Definitionen. Was ist Wahrheit? Im Gegensatz zu Wissen? F\u00fcr mich sehr aufschlussreiche Kapitel. Wir verwenden in unserer Alltagssprache und sogar in intellektuellen Diskussionen Begriffe, ohne uns ihrer genauen Bedeutung bewusst zu sein. Schande \u00fcber mich, aber ich wei\u00df, ich bin in bester Gesellschaft. Gerade deshalb fand ich diese Kapitel \u00fcber Wirklichkeit im Gegensatz zu Realit\u00e4t im Gegensatz zu Wahrheit sehr aufschlussreich. Und wer jetzt eine langweilige lexikalische Definition erwartet, wird entt\u00e4uscht: kein Satz, dem nicht eine scherzhafte Bemerkung oder Pointe f\u00e4llt. Nicht selten f\u00fchlte ich mich bei der Lekt\u00fcre an ein Programm von Josi Prokopetz erinnert, in dem er geschlagene 10 Minuten lang die verschiedenen Bedeutungen von &#8222;geh&#8220; erkl\u00e4rt, ohne sich ein einziges Mal zu wiederholen. Und das auch noch extrem kurzweilig.<\/p>\n<p>Das Kapitel \u00fcber Religion war mir angesichts der langen Anbahnung an das Thema und dessen, was ich mir an Ausf\u00fchrung vom Autor erwartet h\u00e4tte, fast etwas zu handzahm. Wurde hier der Autor vom Verlag gedr\u00e4ngt, &#8222;endlich zu schicken, was fertig w\u00e4re&#8220;? Oder wollte er sich dann doch mit niemandem anlegen? Wie auch immer &#8211; interessant sind die Ausf\u00fchrungen allemal. Brauchen wir Religion oder Gott, um im Leben einen Sinn zu finden? Nein, meint Weinberger, und erkl\u00e4rt auch, warum.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr taucht am Ende des Buches ein Kapitel auf, bei dem sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt: er fordert Objektivit\u00e4t im Umgang mit der NS-Zeit. Ich schlie\u00dfe mich dem an und bedaure, dass man nicht ohne weiteres an die Lekt\u00fcre von &#8222;Mein Kampf&#8220; oder die Filme von Leni Riefenstahl herankommt. Mich w\u00fcrden diese Dinge interessieren, obwoh ich den Gr\u00e4ueltaten des NS-Regimes sicher nichts Positives abgewinnen kann &#8211; ebensowenig der Autor.<\/p>\n<p>Fazit: ein erfischend anderes Buch \u00fcber Astronomie und die Welt, in der wir leben. Dass man keinen Absatz lesen kann, ohne nicht mindestens einmal zu kichern, verhindert nicht, dass man viel Stoff zum Nachdenken bekommt. Vor allem zum kritischen Nachdenken.<\/p>\n<p>Ronald Weinberger: <strong>&#8222;Die Astronomie und der liebe Gott&#8220;<\/strong><br \/>\nFrevelhafte Gedanken eines &#8222;typischen&#8220; Naturwissenschaftlers<br \/>\nSachbuch, Wagner Verlag, ISBN 978-3-86683-441-5<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Sie ein Buch mit umfassender Einf\u00fchrung \u00fcber Astronomie suchen, kaufen Sie lieber ein anderes. Obwohl Sie nicht wenig \u00fcber den Aufbau des Universums erfahren werden, wenn auch in v\u00f6llig anderer Form als in anderen B\u00fcchern zum Thema. 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